Lehrerfortbildung: Das Moor als Ideenlabor
Veröffentlicht am Dienstag, 14. September 2010
Ein Torfstich, eine Moorbahn, ein Labor, Hecken, Wiesen und ein Verkehrsschild: Das waren die Schauplätze für ein Fortbildungsseminar des Lehrerfortbildungsinstituts (LFI) Bremerhaven in Zusammenarbeit mit dem MoorInformationsZentrum (MoorIZ) und dem freischaffenden Künstler Werner Henkel aus Bremen.
In diesem außergewöhnlichen Seminar ging es diesmal nicht in erster Linie um die Ökologie oder die Geschichte des Moores. Die Lehrerinnen und Lehrer wollten sich künstlerisch mit dem Moor und seinen Materialien auseinandersetzen.
Torf aus dem kleinen Torfstich stand an erster Stelle. Schnell entstanden Reliefs, Skulpturen, geometrische Figuren, Farbreihen und sogar so etwas Nützliches wie ein Torfbett. Angeregt durch die kreative Arbeitsatmosphäre wurden im Erfahrungsaustausch immer neue Eigenschaften der Materialen entdeckt und für neue kleine Kunstwerke verwendet.
Ein blauer Müllsack im Landschaftsschutzgebiet? Unter normalen Umständen sofort entfernt, verwandelt er sich im NaturArte-Seminar in Fransen zerschnitten zum Windspiel, behängt mit Naturmaterialien aus nächster Nähe zur „Bewegten Landschaft“, flattert an jungen Bäumen, die plötzlich mitten auf einer grünen Weide stehen, färbt, eng umwickelt, den Ast und einige Blätter eines Strauches blau und verhüllt ein Schild, welches nach Ansicht der nun leicht „anarchisierten“ Lehrerinnen und Lehrer nicht ins Moor gehört.
Der Nachmittag in ruhiger und windgeschützter Runde des Labors im MoorIZ „geht in die Binsen“. Während diese Metapher eher für etwas steht, was abgewirtschaftet, wertlos oder misslungen ist, entstanden hier , im Gegensatz dazu, gelungene kleine Kunstwerke, filigran oder flächig, geflochten, gefädelt oder gewebt, die Spannung des Materials ausnutzend oder brechend. Das aus dem Moor mitgebrachte Binsenmaterial faszinierte durch seine ganz besonderen Farb- und Materialeigenschaften.
Am Schluss steht fest: Umweltbildung, also die Erziehung zu Kenntnissen über die Natur aber auch zu verantwortlichem Umgang mit ihr, bedarf immer auch eines ästhetisch, emotionalen Zugangs. In diesem Sinne konnte diese Veranstaltung den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre weitere Arbeit in Bildung und Erziehung neue Anregungen und neues Rüstzeug liefern.

